Der Unangepasste

Er ist unbequem. Mit seinen eigenen Formen passt er in keine Norm. Das gilt für den unüblichen Briefkasten genauso wie für den unangepassten Menschen. Durch seine Andersartigkeit stellt er Traditionen in Frage. Er hinterfrägt überhaupt alles. Althergebrachte Arbeitsweisen, Werte und Wertsysteme, letztlich sogar mich selbst. Wie man den unüblichen Briefkasten wohl öffnet? Muss denn alles so anders sein? Unbequem!

Der unangepasste Mensch ist schwierig. Er sagt, was er denkt. Offen und unverblümt. Das kann schmerzen. Vor allem dann, wenn ich spüre, dass er mit seinen Gedanken recht hat. Warum muss ich gerade durch ihn die Grenzen meiner Kritikfähigkeit erkennen?

Er animiert zum Nachdenken. Bei vielen führt seine unbequeme Offenheit zu totaler Ablehnung. Andere aber bringt er zum Nachdenken. Dieses Nachdenken bringt Veränderung - reisst heraus aus eingefahrenen Geleisen. Neue Ideen entstehen, neue Faszination, neue Energie, neue Ermutigung. Wir bekommen Spass daran. Ansteckend!

Genau das ist notwendig für ein gesundes Wachstum von Persönlichkeiten und Organisationen.

Unter den Unangepassten finden wir viele herausragende Persönlichkeiten. Es sind immer Menschen mit Zivilcourage. Mit dem Mut zu ein bisschen Frechheit. Menschen, die Kritik nicht als Hindernis, sondern als Ansporn verstehen. Menschen, die Probleme nicht nur aufzählen, sondern lösen. Menschen, die auch in festgefahrenen Situationen neue Perspektiven erkennen. Menschen, die vielleicht sogar Verständnis für die Angepassten aufbringen.

Sie fragen, wie man in diesem Briefkasten ein C4-Couvert unterbringt? Es funktioniert!

Mario Brühlmann